Mehr als nur ein Austausch – eine Woche voller Begegnungen, Geschichte und Freundschaft: Im Rahmen unseres deutsch-französischen Schüleraustauschs durften wir Ende April eine Woche lang unsere Austauschpartnerinnen und Austauschpartner aus Frankreich in Mannheim begrüßen. Gemeinsam haben wir mit den 20 SchülerInnen von zwei verschiedenen beruflichen Gymnasien der französischen Städte Tulle und Brive-la-Gaillarde viele interessante Aktivitäten erlebt, neue Freundschaften geschlossen und wertvolle Erfahrungen gemacht.
Tag 1: Sonntag
Voller Vorfreude haben wir die Franzosen am Sonntag, den 26.04., im Schulhof des LFG empfangen. Die Spannung und Neugier waren jedem ins Gesicht geschrieben. Für einige von uns mit längerer Anreise war es besonders aufregend, denn die Franzosen kamen nicht – wie man hätte vermuten können – zu spät, sondern viel früher als geplant!
Sobald die AustauschschülerInnen aus dem Bus ausgestiegen waren, trafen wir – nach langem Schreiben über das Handy – endlich persönlich aufeinander. Da der erste Kontakt am Anfang immer ein bisschen unangenehm sein kann, war ein kurzes Kennenlernspiel zur Begrüßung genau das Richtige: Alle deutschen SchülerInnen bildeten einen Außenkreis, ihnen gegenüber standen ihre jeweiligen AustauschpartnerInnen im Innenkreis. Was uns zunächst etwas unangenehm vorkam, half dabei, die Stimmung schnell aufzulockern. Schon nach kurzer Zeit lachte man gemeinsam und konnte sich auf die kommende Woche freuen.
Nach ungefähr einer halben Stunde machten wir uns alle auf den Heimweg bzw. unternahmen noch etwas gemeinsam mit unseren AustauschpartnerInnen. Nach diesem ersten Kennenlernen war klar, dass uns eine tolle Woche bevorstehen sollte, an die wir gerne zurückdenken würden.
Tag 2: Montag
Am Montag, dem 27. April, begann unser gemeinsamer Tag im Theatersaal des LFG. Nach der Begrüßung durch Herrn Weirether standen zunächst weitere Kennenlernspiele auf dem Programm. Dabei mussten wir uns zum Beispiel nach Alter, Anfangsbuchstaben oder Körpergröße sortieren. Die besondere Herausforderung für alle Französischlernenden: Wir sollten nur Französisch sprechen und kein Englisch benutzen. Nach diesem lockeren Beginn folgten zwei Workshops des Institut Français. Beide Workshops waren spannend gestaltet und boten uns die Möglichkeit, viel Neues über uns und unsere Gäste zu lernen.
Anschließend hatten wir Freizeit und machten unsere Mittagspause in der Stadt. Gemeinsam mit unseren französischen AustauschpartnerInnen gingen wir Döner essen. Für einige Franzosen war Döner zunächst keine besonders überzeugende Essenswahl. Nachdem sie jedoch den deutschen Döner probiert hatten, änderte sich ihre Meinung schnell. Plötzlich waren fast alle begeistert, und manche wollten sogar direkt noch einen zweiten essen. Besonders lustig war, dass einige dachten, Döner gehöre ganz typisch zur deutschen Kultur.
Am Nachmittag begann dann eine Stadtrallye des Institut Français mit Bezug zu den Murals von Stadt.Wand.Kunst. Dabei mussten wir bestimmte Graffitis finden, ihre Bedeutung herausarbeiten und unsere Ergebnisse schriftlich festhalten. So lernten wir die Stadt noch einmal aus einer anderen Perspektive kennen. Thematisch passte vor allem das mural des Künstlers AKUT hervorragend zum Thema unseres Austauschs: „Gegen das Vergessen“. Aber auch das französische Kunstwerk „En faire voir de toutes les couleurs“ / „Für eine bunte Welt in Vielfalt“ von THE BLIND zur Braille-Schrift war eine spannende Entdeckung.
Nach der Rallye hatten wir erneut Zeit mit unseren AustauschpartnerInnen. Wir gingen shoppen, bummelten durch die Stadt und konnten noch etwas essen. Anstatt den Abend mit unseren Familien zu verbringen, waren viele von uns an diesem Abend gemeinsam unterwegs. Wir spazierten am Neckar entlang, unterhielten uns, setzten uns ans Wasser und genossen die gemeinsame Zeit. Später gingen wir auch noch zum Wasserturm.
Die Franzosen waren vom Wasserturm sehr beeindruckt, weil sie Mannheim vorher überhaupt nicht kannten. Besonders spannend fanden sie, dass Mannheim als Quadratestadt angelegt ist. Lustig war, dass sie den Wasserturm sogar den „Eiffelturm Deutschlands“ nannten.
Tag 3: Dienstag
Am Dienstag trafen wir uns um 7:50 Uhr vor dem Marchivum in Mannheim. Dort begannen um 8:00 Uhr die Präsentationen der französischen Schülerinnen und Schüler zum Thema Demokratie und zu Edmond Michelet, einem französischen Widerstandskämpfer, der trotz seiner Deportation nach Dachau nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der wichtigsten Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft wurde. Die Vorträge fanden wir sehr interessant und informativ. Besonders spannend war es zu sehen, wie die französischen Schülerinnen und Schüler das Thema dargestellt haben und welche Aspekte ihnen wichtig waren.
Anschließend bekamen wir eine Führung durch das Marchivum. Eine Gruppe wurde auf Französisch geführt, die andere auf Deutsch. Danach konnten wir die Ausstellung zum Nationalsozialismus selbstständig besichtigen. Das Marchivum insgesamt fand ich sehr interessant, weil es viele Informationen auf sehr interessante Art über die NS-Zeit vermittelt hat. Das ist wichtig, um die Geschichte besser zu verstehen und aus ihr zu lernen. Besonders im Kopf geblieben sind mir die vielen Maßnahmen gegen unerwünschte Menschen und die große Rolle der Propaganda in dieser Zeit. Die Ausstellung vermittelte einen guten Eindruck davon, wie stark die Menschen damals von den Ideen des Nationalsozialismus beeinflusst wurden.
Um 13:00 Uhr fand der offizielle Empfang durch die Stadt Mannheim in den Räumlichkeiten des Institut Français mit anschließendem Umtrunk und Imbiss statt. Die Atmosphäre war sehr angenehm. Im offiziellen Teil erinnerten der Oberbürgermeister Dr. Christian Specht, die Leiterin des Institut Français Juliette Luquet, der französische Honorarkonsul in Mannheim Folker R. Zöller sowie zwei Mitglieder des Comité des Martyrs de Tulle Alain Peuch und Gilles Chavant an die Bedeutung des Erinnerns und der deutsch-französischen Freundschaft. Anschließend konnten wir uns bei einem kleinen Imbiss stärken, bevor das Nachmittagsprogramm begann.
Am Nachmittag fuhren wir gemeinsam mit der Straßenbahn zu Felix Bowling in Ludwigshafen. Dort hatten wir viel Spaß und konnten die Zeit gemeinsam genießen. Insgesamt war die Stimmung zwischen den deutschen und französischen SchülerInnen sehr positiv. Wir haben uns gut verstanden und viel miteinander gelacht und geredet.
Teilweise gab es an diesem Tag kleine Schwierigkeiten bei der Verständigung, z. B. beim Auffinden der Murals, aber durch Übersetzungen und gegenseitige Hilfe konnten wir die Probleme gemeinsam lösen. Dadurch entstand ein gutes Gemeinschaftsgefühl.
Nach dem Bowlen verbrachten wir noch Zeit mit unseren AustauschpartnerInnen in der Stadt und anschließend den Abend in den Familien. Insgesamt war der Tag sehr interessant und lehrreich und bot gleichzeitig eine schöne Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und die deutsch-französische Freundschaft zu stärken.
Tag 4: Mittwoch
Am Mittwoch nahmen die französischen SchülerInnen zunächst an zwei Unterrichtsstunden teil. Anschließend hörten wir einen Vortrag über das Massaker von Tulle im Zweiten Weltkrieg. Dieser Vortrag war besonders eindrücklich und emotional, da auch die Familie der französischen Lehrerin Frau Godillon von den Ereignissen betroffen war. Ihr Großvater Charles gehörte zu den 99 Männern, die an Balkonen und Straßenlaternen am 9. Juni 1944 von den deutschen Soldaten der SS-Panzerdivision „Das Reich“ in Tulle erhängt worden waren. Wir hörten alle sehr aufmerksam zu, weil uns bewusst wurde, welche Bedeutung dieses Thema bis heute hat.
Die geschichtlichen und persönlichen Eindrücke zum Massaker von Tulle waren für uns SchülerInnen sehr interessant und bewegend. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, über diese Ereignisse zu sprechen und die Erinnerung daran wachzuhalten. Dabei ging es jedoch nicht nur um die schrecklichen Geschehnisse der Vergangenheit, sondern auch um die Frage, wie aus der gemeinsamen Geschichte eine deutsch-französische Freundschaft und eine friedliche Zukunft entstehen können. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, wie aus Feindschaft Freundschaft entstehen kann, waren Herr Mehler und seine Mutter. Herr Mehlers Vater kam als deutscher Kriegsgefangener in die Corrèze und musste dort bei einer französischen Familie arbeiten. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute zwischen beiden Familien besteht.
Anschließend begannen wir mit unserer Gruppenarbeit. Unsere Aufgabe war es, ein Plakat zu gestalten, auf dem wir Gemeinsamkeiten zwischen uns und den französischen SchülerInnen darstellten. Dadurch wollten wir zeigen, was uns verbindet, und die deutsch-französische Freundschaft weiter stärken.
Mittags teilten wir uns gemeinsam mehrere Familienpizzen in der Schule. Danach fuhren wir mit dem Bus zum Technik-Museum Sinsheim. Dort bekamen wir jeweils eine Führung auf Französisch oder auf Deutsch und konnten viele sehr beeindruckende Ausstellungsstücke entdecken. Besonders aufregend waren der Aufstieg in die Concorde und der Rundgang durch das erst kürzlich erworbene U-Boot.
Am Abend fand anlässlich des Austauschs ein deutsch-französisches Freundschaftsfest in der Schule statt, zu dem auch die Eltern eingeladen waren. Dort präsentierten wir unsere Plakate und zeigten, was wir gemeinsam erarbeitet hatten. Anschließend tanzten wir zusammen mit den französischen SchülerInnen nebenan im Diskoraum, hatten viel Spaß und ließen den Abend gemeinsam ausklingen.
Tag 5: Donnerstag
Am Donnerstag traf sich unsere Austauschgruppe zunächst am LFG. Von dort aus fuhren wir gemeinsam mit dem französischen Reisebus nach Heidelberg. Schon während der Busfahrt herrschte eine gute Stimmung, die durch Musik der französischen AustauschschülerInnen sowie durch Gespräche geprägt war. Dadurch entstand direkt eine angenehme Atmosphäre und der interkulturelle Austausch wurde weiter gefördert.
In Heidelberg angekommen, begann unser Tag mit einem Spaziergang über den Philosophenweg. Bei herrlichem Sonnenschein hatten wir eine beeindruckende Aussicht auf die Altstadt, den Neckar und das Schloss. Besonders für die französischen SchülerInnen war dies eine schöne Gelegenheit, erste Eindrücke von der Stadt zu sammeln und sich darüber auszutauschen. Anschließend liefen wir über den Schlangenweg hinunter zum Neckar. Nach dem Abstieg überquerten wir die Alte Brücke und gelangten so direkt in die historische Altstadt. Von dort aus gingen wir weiter zum Heidelberger Schloss. Der Aufstieg dauerte etwa zwanzig Minuten und war aufgrund der Steigung etwas anstrengend.
Im Schlossgarten begannen wir anschließend mit einer Schlossrallye. Dabei mussten wir verschiedene Aufgaben lösen: Zum Beispiel sollten wir die Goethebank finden und dort mit Blick auf das Schloss ein Gedicht vorlesen, das Maß und das Fassungsvermögen des Großen Fasses schätzen oder einen futuristischen Schlossgarten mit deutsch-französischem Bezug gestalten. Die Rallye förderte die Zusammenarbeit in gemischten Gruppen und bot viele Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Danach nahmen wir an einer Führung durch das Schloss teil. Dabei erfuhren wir viel über das Leben von Elisabeth Charlotte von der Pfalz sowie über den Alltag von Kindern im Mittelalter. Wie bereits zuvor im Marchivum wurde die Führung in zwei Sprachen durchgeführt: Eine Gruppe erhielt die Informationen auf Französisch, die andere auf Deutsch. Zum Abschluss trafen wir uns im Kellerbereich des Schlosses, wo wir das berühmte Große Fass besichtigten.
Nach dem kulturellen Programm hatten wir Freizeit in der Altstadt. Viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, die Hauptstraße mit ihren zahlreichen Geschäften zu erkunden oder einfach Zeit mit ihren AustauschpartnerInnen zu verbringen. Aufgrund des schönen Wetters war die Innenstadt gut besucht, und viele Menschen genossen den Nachmittag draußen.
Zum Abschluss trafen wir uns am Universitätsplatz, um gemeinsam die Rückfahrt nach Mannheim anzutreten. Leider konnte der Reisebus uns dort aber nicht abholen, sodass wir schließlich zu Fuß zum Bismarckplatz zurückliefen. Anschließend fuhren wir zurück nach Mannheim. Auch die Rückfahrt verlief in entspannter und guter Stimmung. Am Abend hatten die Teilnehmerinnen wieder Freizeit und konnten den Abend individuell mit ihren Austauschpartnerinnen gestalten.
Insgesamt war der Donnerstag ein abwechslungsreicher Tag, der uns nicht nur interessante Einblicke in die Geschichte und Kultur Heidelbergs ermöglichte, sondern auch viele Gelegenheiten zum Austausch und zum besseren Kennenlernen bot.
Tag 6: Freitag
Da der 1. Mai ein Feiertag war, gab es an diesem Tag kein gemeinsames Programm. Deshalb verbrachten die AustauschpartnerInnen den Tag individuell miteinander. Einige trafen sich zum Fußballspielen und anschließend zum Grillen, andere verbrachten den Tag bei einem Picknick an der Neckarwiese, hörten Musik, spielten Spiele oder besuchten die Mannheimer Messe mit ihren Fahrgeschäften und dem Feuerwerk.
Trotz der unterschiedlichen Aktivitäten stand vor allem die gemeinsame Zeit im Mittelpunkt. So konnten alle den letzten gemeinsamen Tag auf ihre eigene Weise genießen und noch einmal Zeit mit ihren AustauschpartnerInnen verbringen.
Tag 7: Samstag
Nach so einer unglaublichen und großartigen ersten Woche war es dann leider Zeit, sich zu verabschieden. Wir trafen uns am Samstagmorgen schon ganz früh um 6:30 Uhr an der Schule. Wir alle verabschiedeten uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn einerseits war der Aufenthalt in Deutschland nun vorbei, andererseits stand die Woche in Frankreich im Juni ja noch bevor!
Nachdem wir uns von allen französischen Lehrkräften und Austauschschülerinnen und -schülern verabschiedet hatten, fuhr der französische Bus auch schon wieder zurück Richtung Heimat. Als der Bus abgefahren war, gab es für uns deutsche Schülerinnen und Schüler noch eine kurze organisatorische Besprechung mit unseren Lehrerinnen. Danach ging es auch für uns nach Hause – für die meisten von uns wahrscheinlich erst einmal wieder zurück ins Bett.
Wir freuen uns schon riesig auf die Woche in Frankreich!
Fazit
Die Woche in Mannheim war für uns alle eine besondere und unvergessliche Erfahrung. Wir haben viel erlebt, neue Freundschaften geknüpft und viele schöne Erinnerungen gesammelt. Nun freuen wir uns sehr auf das Wiedersehen und die gemeinsame Woche in Frankreich.
(Text: TeilnehmerInnen des Austauschs)
Interkulturelle Begegnung und Geschichte zum Anfassen
Mannheim – Interkulturelle Begegnung und Geschichte zum Anfassen: Vom 26. April bis zum 2. Mai 2026 fand am Ludwig-Frank-Gymnasium Mannheim ein deutsch-französischer Schüleraustausch mit Jugendlichen aus Mannheim sowie aus Tulle und Brive-la-Gaillarde statt. Eine Woche voller gemeinsamer Aktivitäten, kultureller Begegnungen und intensiver Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Vergangenheit prägte das Programm und hinterließ bei den Beteiligten bleibende Eindrücke.
Im Rahmen des Austauschs beschäftigten sich die französischen und deutschen Schülerinnen mit einem der dunkelsten Kapitel der gemeinsamen Geschichte: dem Nationalsozialismus. Zur Vorbereitung besuchte die Gruppe die Dauerausstellung des MARCHIVUM Mannheim. Ein besonders bewegender Moment war der Vortrag von Vertreterinnen des Komitees der Märtyrer von Tulle, die Hintergründe und Einzelschicksale zum Massaker von Tulle am 9. Juni 1944 eindrücklich vermittelten.
Anwesend waren zwei direkt Betroffene: die französische Begleitlehrkraft Sophie Godillon, deren Großvater 1944 von deutschen Soldaten gemeinsam mit 98 weiteren Bewohnern Tulles erhängt wurde, sowie Alain Peuch, dessen Vater ebenfalls Opfer nationalsozialistischer Gewalt wurde. Die Referent*innen schilderten die Ereignisse eindringlich und schufen eine Atmosphäre, die viele Jugendliche sichtlich berührte. In der anschließenden Reflexion wurde deutlich, wie sehr die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit das Bewusstsein für Demokratie und Frieden stärkt und wie unverzichtbar Erinnerungsarbeit auch heute bleibt. Gerade dieser Programmpunkt machte deutlich, dass europäische Freundschaft nicht selbstverständlich ist, sondern aktives Engagement erfordert.
Die Erinnerungsarbeit wird deshalb konsequent fortgeführt: Beim Gegenbesuch vom 8. bis 14. Juni 2026 vertieft die deutsch-französische Gruppe die im Austausch begonnene Auseinandersetzung mit der Geschichte vor Ort, indem sie am 9. Juni 2026 an den Gedenkveranstaltungen zum Massaker von Tulle teilnimmt und dabei auf weitere Angehörige von Opferfamilien trifft.
Wie nachhaltig solche Begegnungen wirken können, zeigte sich bereits während des Vortrags in Mannheim: Zu den Gästen gehörten auch die Ehefrau und der Sohn des ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen Karl-Heinz Mehler. Mehler war als Jugendlicher nach Kriegsende in die Corrèze geschickt worden und hatte seine Erinnerungen später schriftlich festgehalten. Zwischen seiner Familie und den Menschen der Region bestehen bis heute enge freundschaftliche Beziehungen – ein eindrucksvolles Zeichen dafür, dass aus der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Geschichte über Generationen hinweg menschliche Verbundenheit entstehen kann.
Unterstützung und Begleitung des Projekts
Das Projekt wurde durch zahlreiche lokale Partner unterstützt. Der französische Honorarkonsul in Mannheim, Folker R. Zöller, hat die Entwicklung der Schulpartnerschaft mit historischem Schwerpunkt maßgeblich gefördert. Ebenso unterstützte die Stadt Mannheim das Projekt: Der frankophile Oberbürgermeister Christian Specht hieß die Austauschgruppe persönlich in Mannheim willkommen und betonte dabei die Bedeutung der Erinnerungsarbeit durch junge Menschen. Auch Herr Dr. Heil, dem die Förderung der deutsch-französischen Beziehungen ein besonderes Anliegen ist, unterstützte die Arbeit des Komitees der Märtyrer von Tulle mit einer großzügigen finanziellen Spende.
Darüber hinaus spielte das Institut français Mannheim eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Austauschs: Es unterstützte das Projekt durch Workshops, die organisatorische Vorbereitung des städtischen Empfangs sowie durch einen finanziellen Beitrag zur Durchführung der Fahrt nach Frankreich. Zusätzlich wird die Begegnung durch einen Reisekostenzuschuss des Deutsch-Französisches Jugendwerk gefördert.
Außerdem ermöglichten das Technik Museum Sinsheim und das MARCHIVUM Mannheim im Rahmen erinnerungskultureller Zusammenarbeit den kostenlosen Eintritt für alle Teilnehmenden beziehungsweise die kostenfreie Nutzung der Räumlichkeiten für die schulische Projektarbeit.
Neben dem historischen Schwerpunkt bot die Austauschwoche außerdem ein vielfältiges Programm: darunter eine Stadtrallye zu den Murals von STADT.WAND.KUNST, die Besichtigung des Heidelberger Schlosses, gemeinsame sportliche Aktivitäten wie Bowling sowie ein deutsch-französisches Freundschaftsfest im Ludwig-Frank-Gymnasium, bei dem Austauschfamilien und Teilnehmende in entspannter Atmosphäre zusammenkamen.
Am Ende der Woche blieb vor allem eines: das Gefühl, dass dieser Austausch mehr ist als ein Projekt. Er ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass aus gemeinsamer Erinnerung Verantwortung wächst und aus Begegnung echte Freundschaft entstehen kann.
Auch die Homepage der Stadt Mannheim berichtet über den Austausch: https://www.mannheim.de/de/nachrichten/schueleraustausch-zwischen-tulle-brive-la-gaillarde-und-mannheim-erinnerung-begegnung-und-gelebte





















































