Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“ am LFG

Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist das Thema der Wanderausstellung „Kunst gegen Missbrauch“, die in der Bibliothek des Ludwig-Frank-Gymnasiums bis zum 25. März gezeigt wird. In einer bewegenden Eröffnungsfeier kam u.a. auch die Künstlerin Nessi Nezila zu Wort.

Der Mannheimer Morgen berichtet:

„Ich habe mehrmals versucht, mir das Leben zu nehmen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.“ Mia wurde als fünfjähriges Kind von einem 15-Jährigen innerhalb der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas sexuell missbraucht. Der Missbrauch wurde vertuscht, die Betroffene zum Schweigen angehalten und die Familie entschied sich aus Angst vor sozialer Ächtung gegen eine Anzeige. Dadurch litt Mia jahrzehntelang an Schuldgefühlen, erlebte Scham und Ausgrenzung.

Wanderausstellung macht erstmals Station in Mannheimer Schule

Mias Geschichte ist eine von vielen Geschichten von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. In der Bibliothek des Ludwig-Frank-Gymnasiums (LFG) wurde nun die Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“ eröffnet. Die Wanderausstellung setzt sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen auseinander, um dieses oft tabuisierte Thema ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der World Childhood Foundation, dem Frauenhofer IPA in Stuttgart, dem Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg und der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten organisiert. Die in Mannheim erstmals in einer Schule gezeigte Ausstellung stieß auf großes Interesse und zog bereits am Eröffnungstag viele Besucherinnen und Besucher aus Schulen, Kirchen, städtischen Fachbereichen, sportlichen und kulturellen Einrichtungen sowie Kooperationspartnern an.

Die Akteure setzten sich mit den gezeigten Werken auseinander, sprachen aber auch in Vorträgen und Diskussionen miteinander, die deutlich machten, wie wichtig es ist, das Thema Missbrauch im öffentlichen Raum anzusprechen und konsequent aufzuarbeiten. Eröffnet wurde die Vernissage von der Big Band des LFG unter Leitung von Theodor Schaumlöffel mit „Gonna Flynow“ aus dem Rocky Film.

Schulleiter Stefan Weirether betonte bei seiner Begrüßung die Aufgabe von Kunst und Wissenschaft, auch auf unbequeme Themen hinzuweisen, „um für das Thema ein Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren“.

Erste Bürgermeisterin Diana Pretzell freute es, dass die Ausstellung in einer Schule gezeigt wird, damit sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema auseinandersetzen. Für die Stadt sei es wichtig, „für die Betroffenen einen sicheren Ort zu schaffen“.

Der Präsident des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger, ging in seinem Grußwort auf die Rolle der Ermittler ein. „Doch Strafverfolgung allein reicht nicht aus“, sagte er. Wichtig sei es, für das oft tabuisierte Thema „Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ ein Bewusstsein zu schaffen und sich damit auseinanderzusetzen. Gemeinsam wollten sie „ein Zeichen setzen gegen Missbrauch“, betonte Stenger.

Schülerinnen des Seminarkurses „Queere Identität und Kultur“ verdeutlichten das Leid der Betroffenen mit einer Lesung aus Virginia Giuffres Memoiren „Nobody’s Girl“. Giuffre geriet mit 16 Jahren in die Fänge von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und nahm sich 2025 das Leben.

Eine Geschichte von unsäglichem Leid und dem Kampf um Gerechtigkeit ist auch die Lebensgeschichte von Julius Wolf.

Der heutige Fachreferent der Beratungsstelle Fax in Kassel, der im Alter von vier bis acht Jahren im Kindergarten, in der Grundschule und in der Nachbarschaft missbraucht wurde, gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Ausstellung „Kunst gegen Missbrauch“ mit dem Tabuthema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bricht. In der Ausstellung zeigt er auch seine eigene Malerei, mit der er seine Erfahrungen aufgearbeitet hat. „Prävention heißt immer auch aufbrechen und bewusst zu machen“, sagte er.

Die anschließende Diskussion von Schulleiter Weirether mit Künstlerin Nessi Nezilla, die das Projekt „Kunst gegen Missbrauch“ initiiert hat, mit Julia Wege, Expertin in Sozialarbeit und Gründerin der Beratungsstelle Amalie für Frauen in der Prostitution, sowie mit Ralf Waldkirch vom Rotary Club Mannheim Brücken vertiefte den Austausch über die oft tabuisierte Thematik.

Künstlerin Nezilla hatte das Projekt „Kunst gegen Missbrauch“ Ende 2022 initiiert, „um ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu setzen“. Im Mittelpunkt steht ihre interaktive Kunstinstallation, ein Kreuz aus Plexiglas, das gefüllt wurde mit Schnullern und so die Verletzlichkeit von Kindern und Jugendlichen sichtbar macht – ein eindringlicher Appell, sie zu schützen.

Die Fotografien von Armando Milano und Felicitas Yang, mit denen Künstlerin Nezilla die Ausstellung konzipiert hat, zeigen alltägliche Orte: ein Kinderzimmer, Umkleidekabinen, einen Kirchenraum, eine Waldhütte, Toilettenräume, Klassenzimmer. Nur das Wissen, dass diese Orte Tatorte sind, rückt sie in ein ganz anderes Licht. Gleichzeitig wird deutlich, dass sexualisierte Gewalt überall passieren kann und passiert.

Die Kunstwerke riefen vielschichtige Reaktionen bei den Besucherinnen und Besuchern hervor und unterstreichen das Ziel der Ausstellung: Aufmerksamkeit zu schaffen und für das Thema zu sensibilisieren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 25. März in der Bibliothek des LFG, Käfertaler Straße 117, für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Besuch ist nur nach vorheriger Anmeldung über das Sekretariat (Tel. 0621/2938247) möglich.

26.2.2026 VON SYLVIA OSTHUES