Dieser Besuch bringt Bewegung in die Schule: Landeskultusministerin Schopper war am Ludwig-Frank-Gymnasium zu Gast, um sich über die Initiative „Bildung durch Bewegung“ der Dietmar Hopp Stiftung zu informieren.
Der Mannheimer Morgen berichtet:
Wie die Dietmar Hopp Stiftung mehr Bewegung in die Schulen bringen möchte
Mannheim. Die Dietmar Hopp Stiftung möchte mehr Bewegung in den Schulalltag bringen. Mit insgesamt 30 Millionen Euro will sie Bildungseinrichtungen in der Metropolregion deswegen in den kommenden Jahren unterstützen, damit Bewegung nicht nur in den Pausen auf dem Schulhof, sondern auch während des Unterrichts im Klassenzimmer eine größere Rolle einnimmt. Bestenfalls soll es ein fester Bestandteil werden. „Bildung durch Bewegung“ lautet deshalb das Motto des neuen Förderschwerpunkts, den die Stiftung am Montag im Ludwig-Frank-Gymnasium in Mannheim vorgestellt hat.
Dass Kinder und Jugendliche sich in Zeiten von Smartphone und Videospielen weniger bewegen, ist kein Geheimnis. Jens Buksch, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung an der Pädagogischen Hochschule (PH) Heidelberg, sieht deswegen großen Nachholbedarf. Besonders der Bewegungsmangel im Alltag bereitet ihm Sorgen. Das verdeutlicht Buksch anhand von Zahlen, die die PH alle vier Jahre erhebt und Elf- bis 15-Jährige in den Blick nimmt.
Demnach erreichen nur rund elf Prozent der Mädchen und 20 Prozent der Jungs das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Bewegungsziel von 60 Minuten pro Tag. „Alarmierend“, nennt Buksch die Entwicklung, die sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert habe. Weder zum Schlechten. Aber vor allem auch nicht zum Guten. „Da haben wir eine große Aufgabe“, betont Buksch und stützt das mit weiteren Zahlen: So würden Kinder und Jugendliche ihre Zeit im wachen Zustand zu 70 Prozent im Sitzen verbringen. Davon wiederum entfallen 60 Prozent auf die Zeit, die sie in der Schule verbringen.
Dietmar Hopp Stiftung setzt auf bewegungsaktivierten Unterricht
Die Dietmar Hopp Stiftung will das nun ändern. Bildung und Bewegung sollen in Zukunft zusammengedacht werden. „Wir wollen die Schulen dabei unterstützen, mehr Bewegung zuzulassen und Anreize dazu schaffen“, sagt Uta Mielisch, Referentin der Stiftung im Förderbereich Bildung. Vorrangiges Ziel ist, fernab der Sportstunden mehr Bewegung in den Unterricht reinzubringen. Und damit in den Alltag der Kinder und Jugendlichen.
Doch wie soll das gelingen? „Der Punkt ist, an den Lehrkräften zu arbeiten. Dass die ein anderes Mindset entwickeln“, sagt Buksch und erklärt damit, bei den Lehrmethoden ansetzen zu wollen. So verbessere eine bewegungsaktivierende Unterrichtsgestaltung die kognitive sowie mentale Lernleistung. „Schülerinnen und Schüler arbeiten beispielsweise konzentrierter, sind wacher und weniger abgelenkt“, erläutert Buksch.
Es gebe eine ganze Menge Methoden. Buksch nennt Diskussionsspaziergänge oder eine sogenannte Denktour. Die Möglichkeiten würden bisher aber noch nicht konsequent umgesetzt. Deswegen gehe es darum, die Lehrkräfte für die Anwendung solcher Methoden „fit zu machen“ und zu zeigen, dass es einen Mehrwert bietet. Das nächste Level wäre dann die Umgestaltung der Klassenräume. Diese könnten mit Fahrradergometern oder beweglichen Matten ausgestattet werden. „Das wäre natürlich auch unser Traum“, deutet Buksch jedoch an, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist.
Also wird vorerst bei den Lehrerinnen sowie Lehrern sowie der Ausbildung angesetzt: „Wir haben so eine kleine Vision: Dass zukünftig alle angehenden Lehrkräfte nur ihren Abschluss bekommen, wenn sie auch befähigt sind, bewegungsaktivierenden Unterricht zu gestalten“, sagt Stiftungsreferentin Mielisch. Ein weiterer Baustein bei dem Vorhaben ist zudem die Umgestaltung der Pausenhöfe, damit diese zum Bewegen einladen. Hierbei sollen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gleichermaßen bei der Planung einbezogen werden.
Schulhof muss der Allgemeinheit zur Verfügung stehen
Ein Pilotprojekt wurde bereits in Meckesheim fertiggestellt. Wo vor Kurzem noch ein schiefer Basketballkorb hing oder die eine Hälfte der Tischtennisplatte komplett fehlte, können sich die Kinder und Jugendlichen nun nicht nur Bewegen, sondern dabei auch noch Spaß haben und sich wohlfühlen. Doch: „Uns geht es um weit mehr, als darum Geräte auf Schulhöfe zu stellen“, sagt Mielisch.
Schulen, die an einer Förderung interessiert sind, müssen bei der Bewerbung deshalb glaubhaft aufzeigen, dass sie gewillt sind, einen bewegungsaktivierten Unterricht in den Schulalltag zu integrieren. Eine weitere Voraussetzung ist die Zusicherung, dass das Außengelände auch über die Schulzeiten hinaus von der Allgemeinheit genutzt werden kann, also auch abends und an Wochenenden.
Landeskultusministerin Theresa Schopper, die ebenso die Vorteile des bewegungsaktvierten Unterrichts sieht, freut vor allem auch dieser Aspekt. Nicht nur Tablets und Konsolen seien schuld am Bewegungsmangel, sagt die Grünen-Politikerin. Es fehle auch an Freiräumen, die aus städtebaulichen Gegebenheiten oftmals gar nicht mehr vorhanden seien. „Wir müssen insgesamt schauen, wie wir wieder mehr Kinder zum Bewegen bringen können. Schulhöfe sind dazu ein guter Ansatz“, findet Schopper und ist daher dankbar für das Engagement der Dietmar Hopp Stiftung.
Interessierte Schulen in der Metropolregion können gemäß der Förderrichtlinien der Dietmar Hopp Stiftung einen Antrag stellen. Näheres unter dietmar-hopp-stiftung.de.
23.2.2026 VON KAI PLÖSSER



































