Erasmus+ Mobilität im Zeichen mentaler Gesundheit und Umweltschutz in Dunkerque

Nach dem Besuch der SchülerInnen des College du Westhoek Coudekerque-Branche im Dezember, stand nun die nächste Gruppenmobilität an, für die 8 SchülerInnen der Klassenstufe acht bis zehn des Ludwig-Frank-Gymnasiums gemeinsam nach Dunkerque reisten.

Die Umstiegszeit im sonnigen, fast frühlingshaften Paris reichte für eine kurze, aber beeindruckende Sightseeingtour und tolle Fotos beispielsweise vor dem Eiffelturm, dem Louvre oder im Jardin des Tuileries. Für die meisten war es sogar der erste Besuch der Weltstadt, aber sicherlich nicht der letzte. Kleine Eiffelturm-Souvenirs sollen an diesen besonderen Moment erinnern.

Am Sonntagabend in Dunkerque angekommen, ging es in die französischen Gastfamilien. Alle SchülerInnen kannten sich zwar bereits von der Mobilität in Mannheim, doch das Leben in einer anderssprachigen Gastfamilie war für die meisten erstmal herausfordernd.

Alle französischen SchülerInnen lernen seit mehreren Jahren Englisch, manche Spanisch als zweite Fremdsprache, die wenigsten Deutsch. Auch die Mannheimer Erasmus+ Gruppe ist multilingual: neben Deutsch und Englisch sind die SchülerInnen auch des Russischen, Polnischen, Chinesischen oder Ukrainischen mächtig. Während einige durch die Mobilität ihre Französischkenntnisse verbessern konnten und zudem viel über Land und Leute lernten, profitierten auch die Latein-Lernenden der Gruppe sehr von der Gruppenmobilität. Erasmus+ Hauptsprache ist vor allem Englisch, um die Identifikation als EU-BürgerIn zu verstärken und den Jugendlichen zu zeigen, wie wertvoll es ist, sich mit Menschen verschiedener Länder in der Lingua Franca verständigen zu können.

Der erste Tag des Programms begann in Form einer Eröffnungszeremonie mit der Schulleitung, den Erasmus+ KoordinatorInnen C. Lardey und A. Hergault, einer Führung durch die Schule und Kennenlernspielen. Im darauffolgenden Self-Esteem-Workshop ging es schließlich darum, wie man sich mental stärken kann, indem man sich seiner Glaubenssätze und eigener Stärken bewusst wird und negative Gedanken umformt. Da alle Gastfamilien in direkter Schulnähe wohnen, konnten die Mittagspausen meist zu Hause verbracht werden. Gestärkt ging es dann zum DK Park, wo sich die internationale Gruppe durch Sportaktivitäten verband: Beim gemeinsamen Fußballspiel oder Bouldern konnten sich alle auspowern und zeigen, was in ihnen steckt.

Der zweite ereignisreiche Tag begann mit dem Besuch des Unterrichts an der Gastschule, der in manchem zwar ähnlich, in vielem aber ganz anders abläuft als am LFG: Toilettengänge ausschließlich in den Pausen, deutlich kleinere Klassen, sehr inklusiv, Surveillants auf dem Pausenhof statt Lehrkräften und ein Eingangsgate, das nur zum regulären Unterrichtsbeginn offen steht.

Anschließend ging es fußläufig zum Social Community Center, bei dem die Gruppe in eindrucksvollen Workshops etwas über die Auswirkungen von Meditationen lernte, selbst eine Yoga- und Meditationssession durchführte, Podcasts zum Thema erstellte, an einem Selbst-Massage und Qi-Gong-Workshop teilnahm und ansonsten gemeinsam für den Altersheimbesuch am Freitag bastelten oder spielten.

Der Nachmittag stand folglich ganz im Zeichen von „Zero Waste – zero Pollution“. Im englischsprachigen Workshop lernten die Teilnehmenden viel über verschiedene Abfallarten, deren Recycling und Wiederverwertung und lernten im interaktiven Nature House und Galamé-Park in Loon-Plage über das Kompostieren, den biologische Anbau und die Tierhaltung.

Am Abend fand ein bunter Abend mit Schulleitung, Gastfamilien und allen am Projekt beteiligten stand, der mit einem üppigen „typisch französisch“ und „typisch deutschem“ Potluck-Buffet abgerundet wurde. Dabei durfte natürlich Monnemer Dreck, Apfelschorle, Salzbrezeln, aber auch Spreewaldgurken und Sauerkraut nicht fehlen. Zudem wurden die erstellen Produkte des Tages präsentiert und einige Europa-Quizzes durchgeführt.

Auch am Mittwoch wurde wieder in den Unterrichtsalltag geschnuppert, bevor eine Imkerin in voller Montur die Erasmus+ Teilnehmenden vieles über Bienen, deren Funktionen, Arbeitsteilung, Lebenskreislauf und Beitrag zum Ökosystem lehrte. Ein Highlight für einige war der interaktive Teil im Anschluss, bei dem jede/r eigene Bienenwachstücher herstellte – eine tolle Alternative, um Plastikverpackung oder Alufolien zu verwenden und stattdessen das eigens hergestellte und zurecht geschnittene Bienenwachstuch zu verwenden, das zudem alle immer gemeinsam an die Erasmus+ Woche erinnern wird.

Wenn sonst die Schultage am französischen Collège länger als bei uns sind, ist der Mittwoch Nachmittag unterrichtsfrei und viele können hier ihren Hobbys nachgehen. Die internationale Gruppe genoss den Nachmittag beim gemeinsamen Schlittschuhlaufen im Zentrum Dunkerques.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Müllvermeidung und des Upcyclings. Während zunächst in internationalen Gruppen am „The Plastic Pollution Fresco“ gearbeitet wurde, bei dem komplexe Zusammenhänge unseres Konsumverhaltens und den Konsequenzen für die Umwelt aufgezeigt und festgehalten wurden, folgte schließlich Input der Dunkerque Clean Up Association. Ein nachhaltiges „Upcycling-Vélo“ (Fahrrad) beinhaltete in kompakter und für SchülerInnen sehr anschaulicher Weise wie Plastikteile, die beispielsweise am Strand gefunden wurden, von Hand klein geschreddert und schließlich geschmolzen und zu neuen Plastikformen werden. Daraus erhielt jeder Teilnehmende ein handgefertigtes Upcycling-Gadget.

Bevor es am Nachmittag trotz frischer Temperaturen zum eigenen Clean-Up am Strand von Dunkerque ging und die Müllsäcke voller größerer und kleiner Abfälle waren, gab es ein gemeinsames Mittagessen in der Label Épicerie in einer ehemaligen Kirche, die nun zu einem sozialen Projekt mit Lebensmittelverkauf und Küche umgenutzt wurde. Ein Konzept von der Gemeinschaft für die Gemeinschaft, die allen Teilhabe und Genuss erlaubt und jede/r für ein warmes Essen so viel zahlt, wie er/sie kann.

Abgerundet wurde dieser Tag mit einem Besuch des Museums für moderne Kunst, direkt am Hafen, ehemals eine alte Halle, in der große Schiffe repariert wurden. Hier konnte man unter anderem einen tollen Ausblick über die Stadt bis zum Nachbarland Belgien erhaschen.

Ehe man sich versah, stand nun schon der letzte Programmtag an. Eine Abschlusszeremonie, bei der die „My Well-Being-Programme“-Produkte gezeigt wurden, die Teilnehmenden Zertifikate erhielten und das Projektende eingeläutet wurde, stand am Morgen an, bevor es anschließend in die Halle aux Sucres, einem ehemaligen Zuckerrübenumschlagpunkt, der heutzutage als Bildungsstätte und Bürogebäude umgenutzt wird. Die SchülerInnen wurden hier aktiv in einem Gemeinschaftsprojekt ihre eigene nachhaltige Stadt zu bauen und zu präsentieren. Wo und warum sollten Grünflächen vorhanden sein? Welche Funktionen einer Stadt werden wo und wie erfüllt? Was macht eigentlich eine „gute“ Stadt aus, bei der mentale Gesundheit und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen? Diese Aktivität lud alle zu viel Reflexion über ihre eigenen Heimatstädte, Mannheim und Dunkerque, aber auch Städte und Lebenskonzepte der Zukunft ein. Passend dazu entdeckten die internationalen Gruppen nach ihrer Mittagspause Dunkerque mit einer Fotorallye.

Ein toller Ausklang fand schließlich am Nachmittag statt. In unmittelbarer Nähe nahm die Erasmus+ Gruppe am „Tiertherapienachmittag“ des lokalen Seniorenheims teil. Hier kamen Jung und Alt zusammen, lernten etwas über Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen, durften diese streicheln und die direkten positiven Auswirkungen auf die mentale Gesundheit spüren. Jung und Alt tauschten sich in Gesprächen aus und die SchülerInnen überreichten den SeniorInnen die am Dienstag eigens erstellten Grußkarten: ein generationenübergreifendes Zusammenkommen gepaart mit süßen Vierbeinern. So fand eine perfekte Abrundung einer erfolgreichen und unvergesslichen Austauschwoche im Namen von Erasmus+, die dank der Kofinanzierung der europäischen Union allen SchülerInnen offen stand und durch die daraus grenzübergreifenden entstandenen Freundschaften Meilensteine für Toleranz, europäische Zusammenarbeit und Friedensbildung leistet – die Basis der Demokratie.

Ein tränenreicher Abschied am frühen Samstagmorgen am Bahnhof in Dunkerque schmerzt sehr, zeugt aber wiederum von großem Erfolg der Erasmus+ Projektwoche und den Verbindungen, die dadurch entstanden sind. Darüber können wohl nur noch ein Pain au Chocolat oder Croissant aus Paris hinwegtrösten und die Rückfahrt nach Mannheim versüßen.

E. Agnetta & F. Fritz