Erasmus+ am LFG – Eine Projektwoche im Zeichen von Nachhaltigkeit, mentaler Gesundheit und digitaler Bildung

Im Rahmen des Erasmus+-Programms durfte das Ludwig-Frank-Gymnasium Mannheim am Sonntag, den 30. November, französische Gäste aus Dunkerque willkommen heißen, die sich im Verlauf der Woche nicht nur sprachlich, interkulturell und persönlich weiterentwickelten, sondern auch gemeinsam an einem Projekt arbeiteten, das Themen der Nachhaltigkeit mit mentaler Gesundheit kombinieren sollte – getreu dem Motto, sich selbst wieder als Teil des Ganzen zu sehen und den Umgang mit sich selbst und unserem Planeten bewusster und gesünder zu gestalten.

Durch die erfolgreiche Antragstellung eines Kurzprojektes wurde die Finanzierung des Programms von der Europäischen Union übernommen, die es damit allen Schülerinnen und Schülern ermöglicht, internationale Beziehungen aufzubauen und über den Tellerrand der eigenen Kultur, des eigenen Schulsystems und der eigenen Sprache zu schauen. So konnten sie sich als Teil eines größeren Konstrukts – der Europäischen Union – identifizieren, der sie trotz vermeintlicher Unterschiede zwischen deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern angehören und in der sie vereint sind.

Das Programm der Woche war bunt und vielseitig und bot allen die Möglichkeit, viel zu lernen, sich und die Umgebung kennenzulernen und in Fremdsprachen zu kommunizieren – ob auf Deutsch, Französisch oder auch viel auf Englisch, da die Teilnahme am Programm sowohl Latein- als auch Französisch-Lernenden aus den Klassen 8 bis 10 offenstand.

Nach der Ankunft am Mannheimer Hauptbahnhof am Sonntagabend stand für die französischen Gäste der erste Abend in den Gastfamilien an, an dem zunächst noch das Eis gebrochen werden musste. Für einige Teilnehmende war es sogar der erste längere Aufenthalt ohne die eigene Familie – gepaart mit Sprachbarrieren und vielen neuen Eindrücken eine große Herausforderung, an der sie jedoch sichtbar gewachsen sind.

Der gemeinsame Wochenstart führte die ganze Gruppe zunächst in die Klima Arena nach Sinsheim. Nach der Erkundung des interaktiven Museumsbereiches begann nach einem kurzen Einführungsvortrag ein englischsprachiger Workshop zu den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels. In internationalen Teams experimentierten die Schülerinnen und Schüler unter anderem dazu, wie stark sich verschiedenfarbige Oberflächen aufgrund der Albedo erwärmen oder wie sich Meeresströmungen mit großen Temperaturunterschieden verhalten, und lernten dabei die Konsequenzen für den Planeten und uns Menschen kennen, die im Entdeckerheft festgehalten wurden.

Nach der Mittagspause ging die Fahrt in die Heidelberger Altstadt. Vor der Schlosskulisse startete eine Forschungsrallye, die quantitative und qualitative Daten erhob und sowohl den Fokus auf mentale Gesundheit als auch auf einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen legte. Welche Geräusche nimmt man eigentlich mitten auf dem Weihnachtsmarkt wahr? Welche Faktoren stressen Mitarbeitende an den Ständen – und welche Strategien nutzen sie im Umgang damit? Und wie viele Stände bieten Einweg- im Vergleich zu Mehrwegverpackungen an?

Der Dienstag wurde daraufhin am LFG verbracht: Präsentationen zur Stadt Mannheim, zum Menschen im globalen Ökosystem, zu Faktoren, die unsere Gesundheit beeinträchtigen oder fördern, sowie ein internationales „Speed-Dating“, bei dem sich die deutsch-französischen Teams im stetigen Wechsel tiefgehende Fragen statt des üblichen Smalltalks stellten und sich dadurch besser kennenlernten.

Für viele stellte der anschließende Trommelworkshop etwas ganz Neues dar. Francis Zonon vom deutsch-afrikanischen Verein brachte knapp 20 westafrikanische Trommeln in die Schule und lud die Jugendlichen ein, durch Rhythmus eine Einheit zu bilden. So lernten die Schülerinnen und Schüler nicht nur etwas über westafrikanische Kultur, sondern auch einander zuzuhören, alleine oder im Team zu trommeln und sich – ganz ohne Bildschirm – geistig wie motorisch zu betätigen und eins mit dem Rhythmus der Gruppe zu werden.

Nach ersten Erfahrungen im deutschen Schulalltag ging es für die französischen Gäste zurück in die Gastfamilien, wo in selbstständigen Videoproduktionen nachhaltige englischsprachige Backvideos in Teams von zwei bis sieben Personen gedreht wurden. Diese wurden in der Abschlussrunde am Freitag präsentiert und zeigten eindrucksvoll, wie harmonisch die Gruppe zusammengewachsen ist, wie viel Freude sie an der Produktion hatte und welches digitale Know-how sie dabei unter Beweis stellte: vielfältige, geschnittene, mit Musik unterlegte und mit Special Effects ausgestattete Videos beeindruckten alle.

Im Sinne der digitalen Bildung bot der Mittwoch die perfekte Überleitung. Ein Besuch im TUMO-Zentrum gab den Teilnehmenden Einblick in ein Konzept, das große Begeisterung auslöste. Nach kurzer Einführung und Präsentation der Räumlichkeiten durfte sich die Erasmus+-Gruppe selbst digital weiterbilden: Zwei 45-minütige Workshops gaben Einblick in die Welt der Spieleentwicklung, des 3D-Modelings und der Musikproduktion – hier war für jede und jeden etwas dabei. Die Möglichkeit, Jugendlichen kostenfrei Zugang zu hochentwickelten technischen Endgeräten, Tools und Software zu bieten, ließ die Gäste aus Dunkerque einstimmig feststellen: „Auch wir brauchen ein TUMO-Zentrum in Dunkerque!“

Zum Ausgleich des digitalen Fokus wurden alle anschließend sportlich herausgefordert. Das Programm einer Eliteschule des Sports muss schließlich auch Raum für körperliche Aktivität bieten. So wurde der Tag zuvor mit einem einstündigen Fitnesskurs im Venice Beach im Lindenhof begonnen, bei dem einige sehr ins Schwitzen kamen und nicht nur mit Muskelkater, sondern auch einem Geschenk der Betreiber verabschiedet wurden – eine schöne Erinnerung an die sportliche und spannende Woche der Erasmus+-Mobilität.

Abgerundet wurde der Tag mit einigen Runden auf Schlittschuhen unter freiem Himmel auf der Eisbahn in Heddesheim, wo alle viel Spaß hatten, teils erste Erfahrungen auf dem Eis sammelten oder bereits ihr Können zeigten.

Der vorletzte Tag begann mit einer dreisprachigen Schulrallye, die nur im Team gelöst werden konnte und den Fokus auf die Entdeckung der Schule sowie die Unterschiede zwischen dem Collège du Westhoek und dem Ludwig-Frank-Gymnasium legte.

Der Luisenpark darf internationalen Gästen auch im Winter nicht vorenthalten werden. In einem Workshop der „Grünen Schule“ lernte die Erasmus+-Gruppe viel über Erdgeschichte, Biodiversität und Lebensräume ausgewählter Tierarten und durfte – passend zu den kühlen Temperaturen – die Fütterung der Pinguine beobachten.

Der anschließende Perspektivwechsel führte alle hoch hinaus auf den Fernmeldeturm Mannheims, von dessen Plattform aus die Grünflächen der Stadt analysiert und kartographiert wurden. Dabei entwickelten die Jugendlichen stadtplanerische Ideen, wie Mannheim nachhaltiger gestaltet werden könnte und wie sich der „Großstadtdschungel“ durch mehr naturnahe, geschützte Räume positiv auf die mentale Gesundheit auswirken kann. Für die meisten Mannheimer Schülerinnen und Schüler war es der erste und aufgrund der baldigen Schließung wohl auch der letzte Besuch des Turms, der einen beeindruckenden Rundumblick über Mannheim bietet. Nach gemeinsamer Döner-Stärkung – ein Muss bei jedem Besuch in Mannheim – ging es zwar nicht mehr hoch hinauf, aber exklusiv in das Wahrzeichen der Stadt: den Mannheimer Wasserturm. Das riesige Wasserreservoir unter dem Turm beeindruckte die Gruppe ebenso wie die Informationen zu historischer Nutzung, Denkmalschutz, moderner Wasserversorgung und dem gestiegenen Wasserverbrauch Mannheims. Abgerundet wurde dieser ereignisreiche Tag mit einem Besuch des Weihnachtsmarktes rund um den Wasserturm.

Fast schon mit einem Hauch Wehmut wurde am Freitag der letzte Tag der Erasmus+-Projektwoche eingeläutet. Die Schülerinnen und Schüler drehten Stop-Motion-Videos mit Fokus auf mentale Gesundheit oder Nachhaltigkeit oder gestalteten Logos, die die erarbeiteten Themen der Woche vereinten. Diese wurden zum Mitnehmen gedruckt und gestanzt.

Ein letzter Unterrichtsbesuch und die Abschlusszeremonie vollendeten das Programm der Woche: Die französischen Gäste erhielten einen Deutsch-Crashkurs, die deutschen Teilnehmenden Informationen über die Stadt Dunkerque und das Collège du Westhoek. Die Produkte der Woche wurden präsentiert, gemeinsam am Buffet geschlemmt und die Fotos der Woche angeschaut. Die anschließende Evaluation zeigte deutlich den Erfolg der Erasmus+-Projektwoche, die nur durch die Kofinanzierung der Europäischen Union in diesem Umfang möglich wurde. Die Teilnehmenden haben nicht nur sprachlich, sondern auch interkulturell und persönlich viel mitgenommen und sind motiviert, weitere Auslandserfahrungen zu sammeln und langfristig miteinander in Kontakt zu bleiben. Ein Glück steht der Gegenbesuch in Dunkerque bereits im Februar 2026 bevor, auf den sich die Schülerinnen und Schüler sehr freuen. Der gemeinsame Wochenausklang beim Adventsnachmittag im Technoseum Mannheim sorgte für einen stimmungsvollen und vorweihnachtlichen Abschluss dieser ereignisreichen Projektwoche voller neuer Erfahrungen.

Das Erasmus+-Koordinationsteam E. Agnetta und F. Fritz, sowie ihre französischen KollegInnen C. Lardey und A. Hergault sind sich am Ende der Woche einig: die Erasmus+-Woche hat gezeigt, wie bereichernd es ist, Grenzen zu überwinden, aus seiner Komfortzone zu treten, offen für Neues zu sein und voneinander zu lernen statt Vorurteile aufzubauen und damit gemeinsam eine friedliche Zukunft zu gestalten, in der ein bewusster und wertschätzender Umgang mit sich und seiner Umgebung im Mittelpunkt stehen.

E. Agnetta & F. Fritz

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