Auf nach Toulon!

Nachdem die französische Austauschgruppe aus Toulon bereits im Oktober 2022 in Mannheim zu Gast gewesen war, ging es für die deutsche Gruppe am 3. Mai 2023 endlich los nach Toulon! 

Wann?           Vom 3. bis zum 10. Mai 2023 

Was?              Deutsch-französischer Schüleraustausch 

Wer?              Je 22 deutsche / französische Schüler/innen der Klassenstufe 8 

Finanziell unterstützt wurde der Schüleraustausch dankeswerterweise vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, vom Förderverein Städtepartnerschaften Mannheim e. V.  und von der Stadt Mannheim, die bereits einen Großteil der Kosten für das Programm in Mannheim im Oktober 2022 übernommen hatte. 

Tag 1: 

Am Mittwoch, den 3. Mai starteten wir früh morgens mit dem Zug am Mannheimer Hauptbahnhof und fuhren ca. dreieinhalb Stunden mit ein paar Zwischenstopps nach Paris zum Ostbahnhof. Dort angekommen hatten wir drei Stunden Aufenthalt. Deshalb fuhren wir nicht direkt zum nächsten Pariser Bahnhof, sondern nahmen zunächst einen Bus zum Eiffelturm. Durch enge Straßen mit viel Verkehr führte uns der Bus an der Prachtstraße „Champs-Élysées“ und am Triumphbogen vorbei. Beim Eiffelturm angekommen, waren alle sehr beeindruckt, denn vom Trocadéro aus wirkte der Turm riesengroß. Zudem spielte dort gerade ein Musiker wunderschöne Musik, die den Moment noch eindrucksvoller machte. Die Freude auf Toulon wurde nun immer größer. Nach einer halben Stunden machten wir uns auf den Weg zur „Gare de Lyon“, einem Bahnhof am anderen Ende der Stadt – diesmal allerdings mit der Metro, die z. T. aber auch oberirdisch fuhr, so dass wir einen Eindruck von Paris gewinnen konnten. Am Bahnhof angekommen, stiegen wir sofort in den Zug ein und hatten nun nur noch ca. vier Stunden Fahrt vor uns. 

Kurz vor der Ankunft am Zielort waren alle sehr aufgeregt und als wir dann endlich in Toulon waren, warteten unsere Austauschpartner/innen bereits in der Bahnhofshalle auf uns. Da es mittlerweile schon Abend war, suchte jeder schnell seine/n Austauschpartner/in und fuhr oder ging mit dieser/diesem direkt nach Hause. Die Familien empfingen uns alle sehr freundlich, aber aufgrund der langen Reise waren wir alle sehr müde, weswegen die meisten von uns früh ins Bett gingen.

Tag 2: 

Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen, denn wir mussten pünktlich in der Schule sein, da ab 8 Uhr die Tore hinter den Schüler/innen wieder verschlossen werden. Nachdem wir uns alle im Technikraum von Herrn Oliva getroffen hatten, gingen wir in die Kantine, um zu frühstücken. Nach dem Essen schenkten uns die Franzosen weiße, mit unseren Namen bedruckte Austausch-Shirts. Die Franzosen erhielten im Gegenzug von uns schwarze Turnbeutel mit Mannheim- und LFG-Logo. Im Anschluss liefen wir alle zum Hafen. Dort machten wir eine Stadtrallye. Dazu wurden wir in Gruppen aufgeteilt und mussten dann drei Arbeitsblätter ausfüllen. Nach der Rallye aßen wir noch einmal in der Kantine zu Mittag und gingen dann mit den französischen Austauschschüler/innen in den Unterricht. Dieser ist hier sehr strikt geregelt, denn die Lehrer/innen und die Schulregeln sind viel strenger als bei uns in Deutschland. 

Im Anschluss haben wir an unserem Projekt zur deutsch-französischen Freundschaft gearbeitet. Wir haben damit begonnen ein Rollenspiel über Klischees zu Frankreich und Deutschland zu erarbeiten und einzuüben, was uns viel Spaß gemacht hat. Danach sind wir wieder zu unseren Gastfamilien gegangen. Es war ein toller Tag! 

Aber bevor dieser zu Ende ging, haben wir abends noch in unserer Chatgruppe einige Unterschiede gesammelt, die uns zwischen Deutschland und Frankreich aufgefallen waren: 

Als wir zur Schule gegangen sind, haben wir z. B. sofort gemerkt, dass die Schule viel strenger als in Deutschland ist. Man darf beispielsweise nur in die Schule, wenn man eine Art Pass vorzeigt. Außerdem sind die Toiletten nur in den Hofpausen und mittags von 12-14 Uhr geöffnet und der/die CPE ist sehr streng und von allen gefürchtet (Der / die CPE kümmert sich z. B. um disziplinarische Anliegen und ist Chef/in der „surveillants“, also der Pausenaufsichtskräfte bzw. des pädagogischen Teams). Als wir in der Kantine gefrühstückt haben, fanden wir außerdem heraus, dass man hier Kakao aus Schlüsseln trinkt und dass man nicht sehr viel frühstückt. Wir haben auch gemerkt, dass die Türklinken hier sehr weit unten sind. Man trinkt hier meistens Leitungswasser und das Wasser schmeckt und riecht nach Chlor. Dafür bekommt man es in Cafés oder Restaurants immer gratis (und zum Teil auch ohne Nachzufragen) einfach dazu.

Tag 3: 

An diesem Tag ging es direkt, nachdem wir unsere Sachen im Collège abgelegt hatten, los zum Stand-up-Paddle und Kajak fahren. Nach einer kleinen Einführung sind Paare mit jeweils einer deutschen und einer französischen Person in die Kajaks oder auf die Paddles gestiegen. 
Alle hatten sehr viel Spaß, haben viel gelacht und natürlich auch gepaddelt. Dabei haben sich die Pärchen manchmal vermischt und die Gruppe hat sich noch besser kennengelernt. 
Da es sehr warm war und die Sonne die ganze Zeit schien, sind alle mindestens einmal ins kalte Wasser gesprungen. Da wir aber alle Neoprenanzüge anhatten, war das sehr erfrischend! Nach dem Kajakfahren picknickten wir mit der Gruppe auf einer Wiese am Strand. Das Picknick war sehr entspannt und alle haben die Sonne genossen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg zum Collège gemacht haben, um an unseren Rollenspielen weiterzuarbeiten. 

Tag 4-6: 

Jedes Jahr am 8. Mai haben in Frankreich alle Schüler/innen schulfrei, da an diesem Tag der Sieg gegen die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg gefeiert wird. Unser Wochenende bestand deshalb aus drei Tagen, die wir zusammen mit unseren Gastfamilien verbracht haben. Einige von uns waren in dieser Zeit auf dem Berg „Mont Faron“. 

Hier der Bericht von zwei Austauschschülerinnen, die zusammen in einer Gastfamilie untergebracht waren, weil ihre Austauschpartnerinnen Schwestern sind:  

„Heute war der erste Tag, den wir mit den Familien allein verbracht haben. Unsere Gastfamilie ist mit uns morgens mit einer Seilbahn auf den Berg „Mont Faron“ gefahren.

Von dort aus sind wir dann bis zum Gipfelkreuz gewandert und hatten einen wunderschönen Blick über ganz Toulon und das Meer.

Nachdem wir mit der Seilbahn wieder nach unten gefahren waren, haben wir vom Hafen aus eine Fähre genommen, die uns zum gegenüberliegenden Strand „Les Sablettes“ gebracht hat. Von der Fähre aus konnte man sich den Hafen und die Umgebung gut anschauen. Wir haben einen tollen ersten Wochenendtag in den Familien verbracht und haben viel von Toulon gesehen.“

Andere Schüler/innen, die ebenfalls am verlängerten Wochenende auf den Mont Faron hochgefahren sind, berichteten noch von einem Tierpark und von historischen Militärfahrzeugen, die man dort oben besichtigen konnte, andere machten Wanderungen auf dem Gipfel oder übten vor grandioser Kulisse ihr deutsch-französisches Rollenspiel, von dem jede Gruppe am Wochenende ein Video machen sollte, um sich Rückmeldungen von den Lehrkräften einholen zu können. 

Einige von uns trafen sich am Wochenende aber auch auf einer Kartbahn. Dazu schreibt ein Schüler: 

„Alle Austauschschüler/innen sind auf der Kartbahn Rennen gegeneinander gefahren. Manche auch mehrere, aber ich konnte leider nur eins fahren, weil wir danach wieder gegangen sind. Das Kartfahren hat sehr viel Spaß gemacht!
Ich war in der ersten Runde noch etwas unsicher, da ich das erste Mal Kart gefahren bin und diese angeblich viel schneller als in Deutschland sind.
Aber nach etwas Zeit kam ich gut mit dem schnellen Gefährt klar und hatte viel Spaß.

Am Abend sind wir nach einem schönen, spaßigen und etwas anstrengenden Top-Tag ins Bett gegangen, um morgens wieder fit für die Schule zu sein.“

Es gab aber noch weit mehr Aktivitäten, die uns angeboten wurden. Da Toulon direkt am Meer liegt und viele verschiedene Strände hat, waren Viele von uns natürlich im Meer baden, einige machten Wanderungen oder gingen segeln, manche waren auch bei Familienfesten eingeladen, spielten Minigolf oder besichtigten das Opernhaus der Stadt. Wieder andere fuhren in einen Freizeitpark, waren in der Stadt shoppen, trafen sich, um gemeinsam den Geburtstag von Enes und Jonne zu feiern oder machten Übernachtungspartys. Eine Schülerin durfte sogar eine Opernvorstellung besuchen, bei der ihre französische Austauschschülerin im Opernchor mitgesungen hat. 

Tag 7: 

Am vorletzten Tag hatten wir als Erstes eine Stunde Unterricht – jeder in einem anderen Fach. Dabei hat der Eine mehr, der Andere weniger vom Inhalt verstanden…

Danach sind wir zum Hafen gelaufen und haben mit einem Boot die Bucht von Toulon, „la Rade“ genannt, überquert. Mit dem Ehemann einer früheren Lehrerin sind wir dann zum Strand „les Sablettes“ gelaufen. Er hat uns auf dem Weg viel über das Viertel „le Tamaris“ erzählt. Dabei fiel immer wieder der Name „Michel Pascha“, der in den 1860er Jahren das Land, auf dem heute das Viertel Tamaris liegt, gekauft und dort Villen gebaut hat. Den Strand „les Sablettes“ hat Michel Pascha ebenfalls anlegen lassen. Dort, wo der Strand heute liegt, war früher nämlich ein Moor. 

Als wir bei „les Sablettes“ ankamen, haben wir als Erstes Jonne und Enes mit einer Piñata alles Gute zum Geburtstag gewünscht. Danach hatten wir Freizeit und durften in Gruppen durch die Stadt laufen. Alle genossen ihre Freizeit am Strand, wo man es sich mit seinem Picknick gemütlich machen konnte. Baden gehen durften wir aber leider nicht, da unter den Lehrer/innen kein Rettungsschwimmer war. 

Nachdem wir wieder mit dem Boot nach Toulon zurückgefahren waren, sind wir sofort zum Rathaus gegangen. Praktischerweise liegt das direkt am Hafen. Dort hat ein Fotograf der Stadt ein Gruppenfoto von uns gemacht. Im obersten Stock des Rathauses angekommen, genossen wir erstmal den tollen Blick über den Hafen und das Meer. Nach einiger Zeit hatten sich dann alle versammelt und eine Vertreterin der Bürgermeisterin begrüßte uns; danach sprachen noch Frau Hummelsberger – unsere Austauschorganisatorin, Herr Barbès –  der Direktor unserer Gastschule „Collège Maurice Ravel“ und Frau Drieling – die Koordinatorin der französischen Austauschgruppe. Wir haben auch einen kleinen Film über Toulon gesehen, in dem die Geschichte von Toulon und die Besonderheiten der Stadt präsentiert wurden. Danach haben wir Geschenktüten bekommen. Darin waren Infomaterialien zu Toulon, ein Stift und ein Schlüsselanhänger. Dann durften wir alle noch etwas trinken, Kekse essen und den wunderbaren Ausblick vom Balkon genießen. Nach den Snacks sind wir dann zurück ins Collège gegangen, um dort den Abschlussabend vorzubereiten. 

An unserem letzten Abend sollten alle Gruppen nach einer kurzen Anspielprobe ihre Rollenspiele vor den französischen Eltern vorführen. Die Rollenspiele durften höchstens 1-2 Minuten lang sein und sie waren so aufgebaut, dass die Franzosen auf Deutsch reden sollten und die Deutschen auf Französisch. Das war ziemlich lustig für beide Seiten. Außerdem waren manche Rollenspiele richtig gut gemacht! Thematisch ging es um Klischees über Franzosen und über Deutsche. Zwischendurch hörten wir Musik: Louis (der Zweite) und Diana spielten verschiedene Stücke auf dem Klavier und Clément und Giulia sangen für uns. Das war alles ziemlich beeindruckend! Durchs Programm führten an diesem Abend übrigens die deutschen Schüler/innen. Sie stellten den Eltern – natürlich auf Französisch, mit Hilfe von französischen Austauschpartner/innen – immer den nächsten Programmpunkt vor und erklärten die Ergebnisse unserer Projektarbeit.

Im Anschluss zeigte Herr Oliva uns noch Austauschfotos und der französische Schulleiter lud uns schließlich in die Kantine zu einem Abschiedssnack ein.

Nach diesem letzten erlebnisreichen Tag in Toulon gingen alle etwas erschöpft zurück zu ihren Gastfamilien, um dort die letzte Nacht in Toulon zu verbringen, bevor es am nächsten Tag wieder zurück nach Hause gehen sollte. 

Tag 8: 

Am nächsten Morgen ging es um 8 Uhr in die Schule und die Lehrer beschlossen, nach ein paar Abschiedsworten von Frau Drieling, noch ein letztes Mal zum Strand zu gehen. Das Wasser war ultramarineblau, wir genossen es alle. Danach gingen wir zurück zur Schule. Der Abschied war schwer – einige weinten wegen des Abschieds, andere wegen der an diesem Tag herumschwirrenden Pollen. Schließlich fuhren wir mit dem Bus zum Bahnhof, während die Franzosen wieder in die Schule gehen mussten. Am Bahnhof kauften wir noch ein paar Snacks oder Mitbringsel (z. B. Macarons) und stiegen dann in den Zug.

Als wir nach vier Stunden Fahrt mit dem TGV in Paris angekommen waren, sind wir mit der Metro zur „Place de la Concorde“ gefahren. Wir standen also auf der berühmten Prachtstraße „Champs-Élysées“, die von der „Place de la Concorde“ bis zum Triumphbogen führt, den wir von dort aus sogar sehen konnten. Wir gingen dann aber in die andere Richtung weiter durch den früheren königlichen Garten „Jardin des Tuileries“ bis zum ehemaligen Königspalast „Louvre“, der heute ein riesiges Museum beherbergt. Im „Jardin des Tuileries“ aßen wir (überteurte) Crêpes und Eis. Vom Garten aus konnte man nicht nur die Place de la Concorde und den Triumphbogen in der Ferne sehen, auch der Eiffelturm zeigte sich noch einmal. Am Ende unseres Spaziergangs machten wir noch Fotos vom Louvre und der gläsernen Pyramide, durch die man das Museum betritt. Dann sind wir mit der Metro zur „Gare de l’Est“ – dem Ostbahnhof – gefahren. Während die letzten Snacks für die Fahrt besorgt wurden, bildeten wir einen großen Kreis um unseren riesigen Gepäckhaufen, da die Security-Leute im Bahnhof uns aufgefordert hatten, sehr vorsichtig zu sein. Um 19.07 Uhr fuhr schließlich unser Zug nach Mannheim ab. Nach weiteren drei Stunden Fahrt kamen wir schließlich in Mannheim an. Unsere Eltern warteten schon am Bahnhof. Alle verabschiedeten sich und gingen müde, aber glücklich nach Hause, denn durch diese Austauschwoche konnten alle etwas fürs Leben mitnehmen und es hat viel Spaß gemacht! 

Ob wir wieder an einem solchen Austausch teilnehmen würden?

Auf jeden Fall! Manche werden sogar im Herbst schon einen Individualaustausch mit ihren Austauchpartner/innen aus Toulon machen. Andere würden lieber noch einmal mit der Gruppe nach Frankreich fahren, denn zusammen hat es viel Spaß gemacht!

Abschließend sagen wir „Danke“ für eine tolle Erfahrung:

  • Ich möchte mich bei allen Gastfamilien und Austauschschüler/innen bedanken, die uns aufgenommen und sich so lieb, herzlich und gut um uns gekümmert haben! 
  • Zum Schluss möchte ich nochmal betonen, was ich für eine tolle Woche ich hatte. 

Ich bin sehr dankbar für die Nettigkeit und Fürsorglichkeit meiner Gastfamilie und sehr  froh über die Zuordnung der Austauschpartner. Es war alles super toll und ich denke nicht, dass ich mit einer anderen Gastfamilie auch so viel Spaß gehabt hätte, also noch einmal: VIELEN DANK ?

  • Ich möchte mich nochmal herzlich bei meiner Gastfamilie bedanken, bei der ich mich zu jedem Zeitpunkt sehr, sehr willkommen gefühlt habe. Vielen Vielen Dank!??? Es war eine tolle Zeit, die ich nicht vergessen werde.

Und hier noch der Link zu unserem Austauschblog: http://kgrob.de/